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Vergangene Sturmtiefs waren kein ungewöhnliches Ereignis

Thursday, 24 February 2022 17:08

Zwischen dem 16.02.2022 und dem 21.02.22 zogen gleich drei Stürme über Deutschland hinweg. Hinsichtlich der Stärke und Dauer wurde medial mit großer Aufmerksamkeit über die Ereignisse berichtet, wobei bei einigen die Frage aufkam, wie ungewöhnlich diese Sturmserie ist und wie die Stürme hinsichtlich ihrer Stärke zu bewerten sind.

Von Mittwochabend bis Donnerstag überquerte das Orkantief Ylenia Deutschland. An unserer Wetterstation wurde eine Spitzenböe von 102 km/h gemessen, was auf der Beaufortskala der Stufe 10 entspricht, womit der Sturm als schwerer Sturm klassifiziert wird. Am Freitagnachmittag erreichte dann das noch stärkere Orkantief Zeynep Deutschland, wobei an unserer Wetterstation eine Böe von 108 km/h gemessen wurde. Dies ist Stufe 11 auf der Beaufortskala und demnach laut Definition ein orkanartiger Sturm. Am späten Sonntagabend zog dann Orkantief Antonia auf, wobei mit einer Spitzenböe von 99 km/h dieser Sturm der schwächste war.

Um die Stürme hinsichtlich Ihrer Stärke einzuordnen, hilft ein Blick in unsere langjährigen Werte, bei der die drei entsprechenden Stürme hinsichtlich Ihrer Stärke weit überboten werden.

Das letzte Orkantief in NRW war demnach Orkantief Friederike, welcher mit einer Spitzenböe von 122 km/h auch sehr stark war. Um ein stärkeres Ereignis als Zeynep zu finden, muss man lediglich auf den 10.03.2019 blicken, als Orkantief Eberhard mit einer Spitzenböe von 112 km/h auch Orkantief Zeynep überboten hat.

Dreijährige Abstinenz starker Sturmtiefs

Dennoch ist verständlich, dass bei vielen der Eindruck entsteht, die Wetterlage sei besonders ungewöhnlich gewesen. Dabei war eher ungewöhnlich, dass die vergangenen drei Winter relativ windstill waren. Sturmtiefs sind im Winter auf Grund der Bedingungen in Mitteleuropa normal und treten dann auch meist in Folge auf, da eine Wetterlage meist eine gewisse Dauer hat. Die Bedingungen für Sturmtiefs sind ein geradlinig verlaufender Jetstream, welcher auf Grund hoher Temperaturunterschiede zwischen den Polen und den Subtropen entsteht. Oftmals findet diese Trennung der Luftmassen in etwa auf unseren Breiten statt. Dabei reiht sich dann meist ein Sturmtief an das nächste, wobei diese dann vom Nordatlantik entstehend in Richtung Europa ziehen. Sind die Bedingungen besonders günstig, können die Sturmtiefs stärker ausfallen, wobei Sie dann Orkanstärke erreichen. Davon ist ab Windstärke 11 auf der Beaufortskala – also 103 km/h – die Rede. Wird in einem entsprechenden Sturmtief Orkanstärke erreicht, spricht man nicht mehr von einem Sturmtief, sondern einem Orkantief.

In Folge eines mäandrierenden Jetstream, fallen Sturmtiefs nicht so stark aus oder erreichen Mitteleuropa erst gar nicht, so wie es seit 2019 in höherem Maße der Fall war. Demnach lässt sich letztlich sagen, dass der Eindruck über eine besonders hohe Tiefdruckaktivität bzw. Sturmaktivität rein subjektiv ist und von unseren Daten nicht gestützt werden kann.

Wie der Winter 2021/2022 in Bochum in seiner gesamten Bilanz und der statistischen Einordnung ausfiel, werden wir in nächster Zeit in einem weiteren Beitrag genauer erläutern.