News
< Vergangene Sturmtiefs waren kein ungewöhnliches Ereignis

Winter 2021/2022 – Die große Kälte fehlte

Monday, 04 April 2022 16:39

Mit dem bereits spürbaren Start in den kalendarischen Frühling, blicken wir zurück auf den Winter 2021/2022 und ordnen diesen klimatologisch ein. Dabei greifen wir auf die 110-jährige Datenreihe der Ludger-Mintrop Stadtklimastation in Bochum zurück.

Hierfür betrachten wir das neue Klimamittel (1991- 2020), als auch das alte Klimamittel (1961-1990), um statistische Abweichungen besser einordnen zu können. 

Teils deutlich zu mild

Die Wintermonate Dezember, Januar und Februar sind alle zu mild ausgefallen, weswegen der Winter mit einer Durchschnittstemperatur von 4,7 °C zu warm ausgefallen ist und demnach 0,6 K wärmer ist als im neuen Klimamittel 1991-2020 (4,1 °C) und deutlich wärmer als im Vergleich zum alten Klimamittel 1961-1990 (3,0 °C). Dies wird in der folgenden Tabelle dargestellt.

                 

 

Klimamittel

 
 

Durchschnittstemperatur Winter (Dez, Jan, Feb)

 
 

1961-1990

 
 

3,0 °C

 
 

1991-2020

 
 

4,1 °C

 
 

2021/2022

 
 

4,7 °C

 

Dabei sind die verschiedenen Monate dennoch differenziert zu betrachten. Der Februar 2022 fiel mit einer Mitteltemperatur von 5,7 °C deutlich wärmer aus als im Klimamittel. In der folgenden Tabelle lassen sich die vergangenen Wintermonate mit den verschiedenen Klimamitteln vergleichen. 

                         

 

Monate

 
 

Durchschnittstemperatur Klimamittel 1961-1990

 
 

Durchschnittstemperatur Klimamittel 1991-2020

 
 

Durchschnittstemperatur Winter 2021/2022

 
 

Dezember               

 
 

3,5 °C

 
 

4,4 °C

 
 

4,6 °C

 
 

Januar

 
 

2,5 °C

 
 

3,7 °C

 
 

3,9 °C

 
 

Februar

 
 

3,1 °C

 
 

4,1 °

 
 

5,7 °C

 

Vom Niederschlag unauffällig

Wesentlich durchschnittlicher zeigte sich der vergangene Winter im Hinblick auf den Niederschlag. Lediglich der Dezember war mit 48,8 mm zu trocken. Die leicht zu nassen Monate Januar und Februar glichen dieses Niederschlagsdefizit wiederum aus, weswegen der Winter 2021/2022 in seiner Niederschlagsbilanz durchschnittlich ausfiel, wie die folgende Tabelle veranschaulicht.

                 

 

Klimamittel

 
 

Durchschnittliche Niederschlagsmenge (Dez, Jan, Feb)

 
 

1961-1990

 
 

196,7 mm

 
 

1991-2020

 
 

216,9 mm

 
 

2021/2022

 
 

205,3 mm

 

Dies unterstreicht die Unauffälligkeit des Winters in Hinsicht auf den Niederschlag. Soweit zu den Zahlen!

Ohne große Kälte, aber mit stürmischem Ende 

Der Winter begann im Dezember meteorologisch sehr unauffällig. Die Temperaturen lagen nah am Mittelwert. Sowohl sehr milde als auch sehr kalte Luftmassen fehlten. Die Inversionswetterlage verlieh dem Dezember zudem trotz Hochdruck einen trüben Charakter, wo sich der Hochnebel oft tagelang hielt und die Sonne nicht zu sehen war. 

Kurz vor Weihnachten begann es dann spannender zu werden, wie man anhand der Abbildung erkennen kann. Erstmalig in diesem Winter lagen die Höchstwerte knapp über dem Gefrierpunkt und in den Nächten gab es mäßigen Frost. Hierbei wurde auch die kälteste Temperatur des Winters mit    -7,8 °C am 22.12.2021 gemessen. Auf Grund der Hochdruckwetterlage fehlte allerdings der Niederschlag. 

Pünktlich zu den Weihnachtstagen stieg die Temperatur wieder leicht an, ehe sie zum Jahresende in einen außergewöhnlich milden Bereich anstieg. Dabei wird wohl vielen ein sehr mildes Silvester in Erinnerung bleiben. Vom 29.12.2021 bis zum 03.01.2022 lagen die Höchstwerte im zweistelligen Bereich, wo am 01.01.2022 gleichzeitig die höchste Temperatur des Winters mit 14,2 °C gemessen wurde.

Darauf folgte eine eher ruhige Wetterlage mit kühleren Temperaturen und weiterem Hochdruckeinfluss, welcher den bisher schon trüben Witterungscharakter fortsetzte. Der Januar endete zu mild, ehe sich im Februar die Wetterlage maßgeblich änderte und so dem Winter ein anderes Gesicht verlieh. 

Pünktlich in den Start des letzten Wintermonats, brach die für den Winter typische Westwindwetterlage durch. Der Jetstream lag genau über Deutschland, wobei Tiefdruckgebiete wie an einer Perlschnur gereiht Deutschland nacheinander überquerten. Nicht nur, dass die Temperaturen durch die maritimen Luftmassen mild waren, so fiel auch mehr Niederschlag und Schnee und Kälte rückten räumlich, als auch meteorologisch in weite Ferne. 

Höhepunkt dieser Wetterlage und gleichzeitig des meteorologischen Winters, war das Auftreten von drei Orkantiefs, bei denen mit einer Spitzenböe von 108 km/h durch Orkantief Zeynep am 18.02.2022 die höchste Windgeschwindigkeit des Winters gemessen wurde. Nachdem die Sturmserie abklang, beruhigte sich das Wettergeschehen. Mit hohem Luftdruck und zweistelligen Temperaturen endete der Winter 2021/2022 und wird als weiterer milder Winter in Erinnerung bleiben.